Den Juni sollte es vier Wochen nach Frankreich gehen. So die grobe Planung.

Neue Gegenden sehen, in denen ich noch nie war, aber auch Orte aus früheren Jahren wieder besuchen, war mein Ziel. Es sollte nur ins östliche Frankreich gehen. Den Westen heben wir uns für eine der nächsten Fahrten auf.

Bereits der Start war die erste Änderung. Am letzten Mai-Wochenende findet ein Treffen von Geocamper Kabinen in Laubach statt. Da es terminlich das einzige Wohnkabinentreffen ist, dass überhaupt in meinen engen Rentnerkalender passt, fahre ich schon eine Woche vorher los. Aber ganz gemütlich, so wie ich es mir für die gesamte Reise vorgenommen habe. Nur 200km pro Tag, keine Mautstrecken und das nächste Etappenziel wird erst am Abend vorher gesucht.

So wurde denn auch die Strecke nach Laubach nochmal unterteilt. Ein kleiner ländlicher Stellplatz und in der Nähe ein Badeweiher luden zum Übernachten ein.

Und dann ging es zum Geocamper Treffen. Mit diesen Kabinen hatte ich mich ja nie beschäftigt. War schon sehr interessant, wie unterschiedlich und absolut individuell die Kabinen gebaut werden. Der absolute Hammer des Treffens war der Vortrag von Alexej, der mit seiner Geocamper im Winter auf zugefrorenen Flüssen unterwegs ist. Die Fotos und Filme sind total interessant.

Sonntag Mittag geht es weiter. Auf nach Frankreich! im ersten Zipfel Frankreich in Drusenheim steht man direkt am Rhein neben der Fähre.  Der Stellplatz ist nicht so toll, aber dafür die Aussicht umso besser.

     

Am nächsten Morgen geht es mit der Fähre noch mal nach Deutschland. Alle Pfandflaschen abgeben und die angebrochene Gasflasche tauschen. Die Kabine hat ja “nur” zwei 5kg Flaschen und der Kühlschrank MUSS laufen. Ich bin sehr gespannt, welche Erfahrung wir hier machen werden. Heizung und Warmwasser im Boiler sind für die nächste Zeit tabu. Kalt duschen am frühen Morgen weckt die Lebensgeister.

Mit frischen Tanks und vollem Gasvorrat geht es nach Ribeauville und Riquewihr. Dort stecken Kindheitserinnerungen. Mein Vater war mit mir öfters dort und ich erinne mich an choucrute garni, es waren Berge Sauerkraut. Der Wohnmobilplatz in Riquewihr -gemischter Parkplatz- ist für Wohnmobile eine Zumutung, aber ich habe ein Plätzchen zum Parken gefunden. Der Ort ist wunderschön hergerichtet. Hier wird ein Mittelalterdörfchen zelebriert.

 

 

Übernachten möchte ich hier aber gar nicht. Rauf in die Berge am col des bagenelles ist ein Skifahrerparkplatz auf 900m Höhe mit Traumaussicht. Hier herrschen auch angenehme Temperaturen nach den ständig 30 Grad der letzten Tage.

Am nächsten Tag geht es in Richtung West nach Langres. Ein kleines Städtchen hoch auf einem einzelnen Berg inmitten einer Ebene und mit einer imposanten Stadtmauer geschützt. Der Stellplatz oben an der Altstadt ist gut besucht und wir machen einen Bummel entlang der Stadtmauer und durch die Stadt. Viel gibt es nicht zu sehen, aber es findet sich eine Pizzeria, zu der ich abends nochmal hin gehe. Pizza gibt die Campingküche nicht her.

 

Gut 200km weiter in Richtung auf die Pyrenäen gibt es bei Melay einen Stellplatz direkt am Kanal von Roanne nach Digoin. Ein schöner Platz in der Natur. Gelegentlich kommt eines der Mietschiffe, die es auf den Kanälen gibt oder auch mal ein kleines Ausflugsboot vorbei. Unter der Brücke ist es für das Ausflugsboot schon sehr eng.
Zum Spazieren gehen ist auf beiden Seiten des Kanals ein Trampelpfad und ein Stückchen weiter ist eine zweite Brücke. So lässt sich eine nette Runde laufen. Hier bleiben wir auch noch eine zweite Nacht.

 

Weiter nach Süden. Wir sind im Vulkangebiet und bei Chaudes Aigues kommt das Wasser mit 82 Grad aus dem Boden. Gegen ein schönes Thermalbad hätte ich nichts einzuwenden. Der Parkplatz dort ist aber hoffnungslos voll und stark geneigt. Auf einem anderen Parkplatz findet sich ein ruhiges Plätzchen mit genügend Spaziermöglichkeit.

 

 

Und dann steht da ein alter R4 neben meiner Kabine. Das war vor 45 Jahren mein allerstes Auto. Schön!

Die abendliche Suche nach dem nächsten Übernachtungsplatz kennt kein Kriterium “Nähe Hauptrouten”. So findet zumeist die erste und letzte Stunde der Fahrt auf ganz kleinen Strassen statt. Das Navi schickt mich durch wunderschöne Landschaft.

                  

Nach dieser kleinen Brücke geht es zum ganz grossen Gegenstück der Brücke von Millau.

In einem kleinen Ort in der Nähe wird übernachtet. Der Ort ist mausetot, aber es gibt noch ein Restaurant -eine bessere Pommesbude- bei dem man draussen sitzen kann und wo dann heute die Kabinenküche kalt bleibt.

 

Jetzt geht es endlich ans Meer. Ich hatte ja schon die Pyrenäen ausgelassen. Schade zwar, aber sie sind ohnhin mehr wert als nur einen Abstecher. Auf der Fahrt wird die Landschaft wieder flacher.

Also Portitagnes plage – der Stellplatz ist 100 Meter vom Strand entfernt und jetzt nur gut halb belegt. Nebenan ist solch ein flacher See mit schöner Vegetation drumherum. Schöne Bilder werden im Kopf und auf dem Smartphone gespeichert.  Hier bleiben wir auch mal wieder für zwei Nächte.

Damit ist dann auch der südlichste Punkt unserer Fahrt erreicht. Ab sofort kommen wir unserm zu Hause wieder näher.

 

Ein neuer Tag: Auf in die Camargue! Es ist eines meiner liebsten Gebiete in Frankreich, wohin es mich auch immer wieder zieht. Das erste Mal war ich mit der Französisch-Klasse vom Gymnasium hier. Das ist sehr lange her.

Der Stellplatz bei einem Winzer auf der Wiese hinter seinem Hof ist wunderschön. Die Übernachtung ist gratis, aber er erwartet natürlich, dass die Gäste in seinem Laden einkaufen. Ich nehme eine Kiste Wein mit und kaufe noch ein paar Lavendel Geschenkpackungen für die Familie. Irgendwo hätte ich die ohnhin mitgenommen.

 

 

                 

Ich erinnere mich an eine kleine Fähre über einen Seitenarm der Rhone: Bac du Sauvage. Grosse Schilder weisen sehr eindringlich darauf hin, dass keine Camping Fahrzeuge befördert werden. Da wir ja doch deutlich mehr Bodenfreiheit haben, versuche ich es einfach und werde kommentarlos übergesetzt.

Dann geht es immer auf kleinen Strassen einmal um den ganzen Etang de Vaccares herum. Naturschutzgebiet, grosse Weiden mit Pferden und Stieren, Reisfelder. Und natürlich auch die Wasserflächen wo unser Auge Flamingos sucht.

 

 

Am Ende der Runde landen wir in Salin-de-Giraud. Meersalz gibt es hier im Grossen und noch nicht verpackt.

So wie wir Tagebau kennen mit Baggern und Förderbändern so wird hier Meersalz bearbeitet.

Und dann sind wir wieder am Meer. Früher konnte man hier auf den Strand fahren und dann nach ein paar Kilometern war man völlig allein. Das ist jetzt alles abgesperrt. Nur eine kleine Fläche Sand ist als Parkplatz noch befahrbar. Dort hat sich ein Engländer mit seinem Kastenwagen festgefahren. Ich ziehe ihn mal eben raus, aber sonst bleibe ich selbst lieber auf festem Boden. Mit dem Gewicht auf der Hinterachse brauche ich keinen weichen Sand.

                      

Der Strand ist wieder wunderschön und auch noch leer. Ein Blick nach West, ein Blick nach Ost – super! Und das Wasser ist keineswegs kalt.

                     

Am Abend dann wieder – der Blick nach Westen zum Sonnenuntergang. Und am nächsten Morgen scheint die Sonne im Osten zum Fenster herein. Es ist schön hier.

                     

Dann wird es Zeit das Mittelmeer zu verlassen. Die Prioritäten müssen verschoben werden. Das Wäschefach ist leer – ich muss waschen. Der Campingplatz in Tarascon war immer mein Tor zur Camargue. Hier war ich schon mit R4 und Zelt und später auch mit der ganzen Familie. Mal eben dort angerufen, ob sie denn inzwischen auch eine Waschmaschine haben. OK – also nix wie hin.

Es ist immer noch der kleine ruhige Campingplatz direkt an der Rhone neben dem Schloss. Man steht schattig unter Bäumen und einen kleinen Pool gibt es inzwischen auch.

Die Wäsche ist fertig, aber wir gönnen uns auch noch eine dritte Nacht hier. Etwas Ruhe – mal nicht jeden Tag woanders – tut auch mal gut.

Abends vor der Bar. Was steht denn da. Eine Velosolex! Was habe ich die lange nicht gesehen. Jeder Franzose ist die gefahren und als Jugendlicher in Franreich habe ich sie auch geliebt. Mit Reibrollenantrieb von oben auf dem Vorderrad.

Nach drei Nächten Ruhe kommt jetzt die Bergetappe. Grand Canyon du Verdon liegt leider nicht mehr in meiner Richtung – nächstes Mal. Zum Mont Ventoux möchte ich nochmal hoch. Dort oben war ich mit besagter Klassenfahrt schon einmal. Vorher noch Gorges de la Nesque mitnehmen. Limit 3,40 Höhe und 3,5t sind beides kein Problem. Die Tunnel sind aber nur in der Mitte so hoch. Für die Seiten ist häufig 3,0 angegeben und das ist zu niedrig. Also immer schön in der Mitte bleiben.

Oben auf dem Mont Ventoux haben wir leider nicht so tolle Sicht. Die Niederungen liegen im Dunst.

Dumm war, dass ich ausgerechnet an einem Sonntag hier hoch bin. Da war noch gleichzeitig ein Fahrradevent auf der Bergstrecke und die Franzosen hatten zum Wochenende alle Motorräder raus geholt. Mit Kabine war ich bei denen nur Hindernis.

Recht bald hinter dem Pass gibt es einen kleinen Campingplatz im Skigebiet auf 1900m Höhe. Völlig ebene Stellplätze. Gute Nacht – es wird kalt werden!

 

                   

Die nächsten beiden Übernachtungsplätze sind nicht so toll. Vermutlich habe ich zu sehr mein Kriterium km-Limit beachtet und wollte keine Kurzetappen.

                   

Zwischendurch ergaben sich bei einer Pause dann doch wieder nette Aussichten. An einem Flüsschen mit einer sehr Schleuse haben wir Rast gemacht.

                   

Weiter nach Norden – nochmals nach Langres. Westlich vom Ort liegt ein schöner Stausee. Und was macht mein Hund. Geht schwimmen – zum ersten Mal seit Jahren wieder. Da ich sie nicht von der Leine lassen kann und sie am Mittelmeer nur bis zum Bauch ins Wasser ging, konnte ich immer nur mit Leinenlänge ins Wasser. Jetzt hier geht plötzlich die Dame ins Wasser.

                  

Der Parkplatz am See gefällt mir nicht zum Übernachten. Zu offen und zu allein. So fahre ich eben die fünf Kilomater nach Langres und stelle mich aber diesmal unten an die Stadtmauer.

                 

Hier sieht man dann wie mächtig diese Mauern sind.

Morgen möchte ich auf die Schlachtplätze bei Sedan und oder Verdun. Hatte dies schon mal als Ziel bei einer Motorradtour Eifel als Tagesziel versucht, aber dafür ist zu viel anzusehen. Bei Verdun gibt es recht viele Memorials auf engem Raum und ich lasse mich vom Navi dort hin führen.

Im Beinhaus von Douaumont sind im Keller alle Gebeine gesammelt, die in der ganzen Umgebung gefunden wurden. Durch Fenster kann man hineinschauen. Auch die Gräberreihen sind unendlich. Hier schaue ich einen Film über den Krieg.

                

In dem gesamten Gebiet besteht Picknickverbot. Nach einigen Einträgen im Internet wird dies auch als Übernachtungsverbot ausgelegt. Zum Schlafen fahre ich eben auf den Stellplatz nach Verdun.

Am nächsten Morgen dann zum Memorial de Verdun. Die Ausstellung ist sehenswert.

                 

Ein paar hundert Meter weiter ist der ehemalige Ort Fleury.

Einer der Orte von denen nach dem Krieg aber auch gar nichts mehr übrig war. Das Gelände ist so zerfurcht, wie es von den Granaten geformt wurde. Dazwischen stehen Tafeln mit den Namen der dort gefundenen Toten. Eine kleine Kapelle wurde im Ort errichtet.

                                               

Fort Douaumont  – auch eines der zahlreichen Forts, die zur Verteidigung von Frankreich errichtet waren.

                  

Es ist bedrückend, aber tut auch gut, dies alles gesehen zu haben. Und es ist wichtig solche Stätten als Mahnung an die nächsten Generationen zu erhalten.

Der 1. Weltkrieg mit insgesamt 9 Millionen Toten – ausgelöst durch erstarkenden Nationalismus in den Kriegsnationen. Und heute entwickelt sich in zahlreichen Ländern wieder ein Nationalismus. Wir müssen gut aufpassen!

Bis kurz vor Saarbrücken fahre ich an dem Tag noch. Die letzte Nacht in Frankreich.

Um bis nach Hause zu fahren, ist es mir zu weit und soo eilig habe ich es nun auch nicht. An der Mosel findet sich ein schöner Platz in Briedern.

Zum Abschluß nochmal lecker Essen gehen und abends konnten wir noch lange vor der Kabine sitzen.

                  

Am nächsten Morgen waren es dann nur noch 180km bis nach Hause. Juschka freut sich über den Garten und Opa hat seinen Enkel Eliah wieder auf dem Arm.

 


Die erste Gasflasche war nach 15 Tagen ohne Landstrom leer und hat in der Zeit Kühlschrank, Kochen und Spülwasser im Flötenkessel versorgt. Im Eisfach im Kühlschrank war immer gefrorenes Grillgut. Der Kühli hat bei teils über 30 Grad gut gearbeitet. Warmes Bier geht ja auch gar nicht. Die dicke Truma ist aus geblieben. So kann ich also bedenkenlos im Sommer 25 Tage unterwegs sein. Wenn ich mir noch eine Flasche zusätzlich mitnehme,  reicht es auch für 40 Tage. Das genügt mir. Damit ist meine Sorge um zu wenig Gas verflogen. In der Heizzeit bleibe ich eben in Deutschland. Hier gibt es auch für viele Jahre noch genug zu entdecken.

Nach ca. 3300 Kilometern: Frankreich ist immer noch ein Paradies für Wohnmobile. Auch der frühe Termin ausserhalb der grossen Reisewellen war sehr gut.

Ich muss aber bald wieder hier her. Es sind immer noch riesige Flächen im Innenland, wo ich noch nie war. Meinem Französisch hat die Zeit gut getan. Noch länger wäre noch besser gewesen.

 

bis bald – zur nächsten Tour

 

 

 

 

3 thoughts on “2018 06 – Frankreich

  1. Hallo Wolfgang,

    vielen Dank für die tollen Bilder und den wunderschönen Bericht.

  2. Sehr schön beschrieben alles. Während des Lesens vergisst man den Alltag und befindet sich für einen Moment selbst auf Reise. Dankeschön 🙂

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